Auf Ernst Weiß bin ich im Zuge einer Franz-Kafka-Lektüre aufmerksam geworden und hatte mich daraufhin umgetan, einige Informationen über diesen mir bis dahin gänzlich unbekannten Schriftsteller und Arzt, der zur deutschen Minderheit Prags zählte, zu sammeln.
Umso erstaunter war ich, dass im Suhrkamp Verlag eine 16-bändige Gesamtausgabe seines Werks erschienen war.
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| [Porträt; Quelle: von n/a [Public domain], via Wikimedia Commons] |
Mein Blick richtet sich auf die Exilromane, genauer gesagt auf die während des Exils veröffentlichten Romane von Ernst Weiß. Einer der Gründe für diese Auswahl ist, dass man von einem Reifungsprozess im literarischen Schaffen des Autors ausgehen muss, der sein Können in seinem Spätwerk, also den Werken, die in seinem Prager und vornehmlich dem Pariser Exil entstanden sind, erst vollends zur Geltung und Entfaltung gebracht hat. Namentlich sind das Der Gefängnisarzt oder Die Vaterlosen (1934, Julius Kittls Nachf., Mährisch-Ostrau), Der arme Verschwender (1936, Querido, Amsterdam), Der Verführer (1938, Humanitas, Zürich) und letztendlich der 1938/39 geschriebene, aber erst 1963 bei Kreißelmeyer, München und Icking, posthum veröffentlichte Roman Der Augenzeuge [Die damalige Publikation stand, da von einem juristischen Streit zwischen Kreißelmeyer und dem Hanser Verlag begleitet, unter keinem guten Stern. Hanser macht die Rechte am Titel ‚Der Augenzeuge’ für ein Buch, das in seinem Programm erschien geltend, sodass Weiß’ Roman mit dem Zusatz ‚Ich –‚ als ‚Ich – Der Augenzeuge’ ediert werden musste. Zu den näheren Umständen einer kuriosen Publikationsgeschichte s.a. Trapp, Frithjof (1986): Der Augenzeuge – ein Psychogramm der deutschen Intellektuellen zwischen 1914 und 1936. Büchergilde Gutenberg, Frankfurt am Main, S. 14ff.].