Ein Leben ohne Form


Ein Leben ohne Form

Ich habe etwas Schlimmes getan, Mutter.

Ließ dem anderen keine Chance, keinen Ausweg.

Meine Maßnahme war tödlich – kein Zweifel daran.


Ich hatte doch Pläne gemacht, Mutter. Ich wollte doch so viel.

Jetzt scheint es für mich vorbei zu sein. Ich habe es selbst zerstört.

Mutter, tu was.
Mutter, unternimm was.

Du solltest doch niemals wegen mir weinen.

Jetzt brauchst Du abends nicht mehr darauf zu warten, dass die Tür ins Schloss fällt und ich wieder bei Dir bin. Morgen nicht. Und Übermorgen nicht – einfach niemals mehr.

Verlier nicht den Mut. Halte den Kopf oben.

Nimm’s Dir nicht zu Herzen. Dich trifft keine Schuld. Aber korrigieren kannst Du meinen Fehler leider auch nicht mehr – zu spät.

Ich zittere, wenn ich daran denke, was ich getan habe.

Alles tut mir weh – ich habe alle Formen gesprengt, mich an kein Korsett gehalten – wie eine Rhapsodie.

Jetzt heißt es Abschied nehmen und mutig gehen.

Kein Miteinander mehr, kein Zusammensein, kein trautes Heim – ich muss mich meiner Tat stellen.

Aber dieser eine Fehler kann doch nicht bedeuten, dass mein Leben zu Ende ist. Eine Zehntel Sekunde kann doch nicht Jahre bedeutungslos machen – aber dennoch ist es so.
Hätte ich Dir doch die Konsequenzen meiner Geburt erspart.

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